Münchner Schulpreis 2.0

BILDUNGSPOLITIK | Konzept der Auszeichnung weiterentwickelt

Die Landeshauptstadt hat den „Münchner Schulpreis“ erstmals 2014 ausgeschrieben. Seitdem wurden jährlich drei Münchner Schulen aller Schularten prämiert, deren Arbeit die Jury besonders überzeugen konnte. Die Auszeichnung ist mit jeweils insgesamt 30.000 € dotiert.

Das Konzept wurde nun weiterentwickelt. Wesentliche Neuerungen sind die Gründung des „Forums Münchner Schulen“ als Netzwerk für Schulentwicklung und die Möglichkeit, Schulen mit „Sonderergebnissen“ für einen Jurypreis vorzuschlagen. Darüber hinaus wurden die Qualitätsmerkmale überarbeitet, Demokratie an Schulen erhält einen neuen Stellenwert. Im Interview erläutert Stadtschulrätin Beatrix Zurek Details.

MLZ: Der Münchner Schulpreis wurde durch die Jury neu konzipiert und wird nun nicht mehr jährlich, sondern alle zwei Jahre verliehen. Welche Vorteile sehen Sie darin?

Zurek: Die Jurymitglieder befürworteten im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Schulpreises die Verleihung im zweijährigen Turnus. Dies hat zwei Vorteile: Die Schulen haben mehr Zeit für eine gründliche Reflexion und Ausarbeitung ihrer Bewerbung. Und im alternierenden Jahr wird ein Netzwerk aufgebaut, in dem relevante Module zur nachhaltigen Schulentwicklung entstehen werden. Dabei orientieren sich die Themen der Module an den Qualitätsbereichen des Münchner Schulpreises, deren Kriterien als Richtschnur für gute Schule etabliert sind.

MLZ: Der Qualitätsbereich „Ganztägige Schulentwicklung“ entfällt als eigenständiges Qualitätsmerkmal. Sinkt dadurch der Stellenwert des „Ganztags“ im Rahmen des Münchner Schulpreises?

Zurek: Auf keinen Fall, im Gegenteil! Die bisherigen zugeordneten Indikatoren von „Ganztägiger Schulentwicklung“ finden sich in allen anderen Qualitätsmerkmalen wieder. Die sechs Qualitätsbereiche sind unter der jeweiligen Bezugnahme auf ganztägige Bildung definiert:

  • Schule als lernende Institution
  • Entwicklung der Unterrichts- und Lernkultur
  • Umgang mit Diversität
  • Multiprofessionelle Zusammenarbeit verschiedener Bildungsakteure
  • Demokratie (er-)leben
  • Nachhaltiger Bildungserfolg

Die Umsetzung von ganztägiger Bildung ist ein grundlegendes strategisches Ziel des Referates für Bildung und Sport. Gute zwischenmenschliche Beziehungen und eine Atmosphäre, die von Anerkennung und Vertrauen geprägt ist, sind gerade im Ganztag zentral wichtig. Dort, wo Kinder und Jugendliche sich gesehen und gut aufgehoben fühlen, entwickeln sie Selbstbewusstsein und entfalten ihr Potenzial.

MLZ: Der Qualitätsbereich „Verantwortung übernehmen“ wurde auf Anregung des MLLV zum Bereich „Demokratie (er-)leben“ erweitert. Welche Kriterien wurden im Zuge dessen neu aufgenommen?

Zurek: Der Bereich „Verantwortung übernehmen“ wurde einstimmig durch die Jury erweitert. Um Erziehungsprozesse demokratisch zu gestalten, braucht es Bildungs- und Erziehungsansätze, die Inhalte über die Demokratie vermitteln oder demokratische Verhaltensweisen einüben sollen. Das zeigt sich im demokratischen Selbstverständnis der Schule, im selbstbestimmten Handeln der Schülerinnen und Schüler, Verantwortung für sich und die Gesellschaft zu übernehmen, Solidarität zu üben und auch um Partizipation erlebbar zu machen.

MLZ: Das Netzwerk „Forum Münchner Schulen“ soll den Austausch unter den Schulen fördern und mit wissenschaftlicher Begleitung zur nachhaltigen Schulentwicklung beitragen. Wie werden die Schulen eingebunden?

Zurek: Wir befinden uns derzeit in der Pilotphase. Die besondere Qualität des Forums Münchner Schulen zeigt sich darin, dass die Schulpraktiker selbst die Entwicklung und Umsetzung von Inhalten übernehmen und somit der Garant für die praktische Relevanz und die Qualität des Angebots sind. Es soll sich eine Kultur der gegenseitigen und gemeinsamen Weiterbildung entwickeln, um so eine regionale Vernetzung der Schulen aufzubauen. Ich glaube, dass jede Schule etwas Besonderes ist und alle voneinander lernen können. In der Pilotphase können alle Bewerber- und Preisträgerschulen teilnehmen. Die Preisträgerschulen, ein Teil der Jury und das Pädagogische Institut sind derzeit dabei, verschiedene Formate abzustimmen und Themen zur Schulentwicklung auszuwählen.

MLZ: Die Jury erhält die Möglichkeit, Schulen mit „Sonderergebnissen“ für einen Jurypreis vorzuschlagen. Wann soll dieser verliehen werden?

Zurek: Der Jurypreis berücksichtigt vor allem Sondersituationen und wird fakultativ vergeben. Er beschreibt Schulen im Bewerberpool, die sich in außergewöhnlichen Weise um eine Besonderheit an ihrer Schule verdient gemacht haben, jedoch nicht alle Bewertungskriterien zum Zeitpunkt der Bewertung erfüllen. Ich freue mich, dass dieser Preis verliehen werden kann, er bestärkt die jeweilige Schule in ihrer Arbeit und wertschätzt ihre Bemühungen. Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Akteuren an den Schulen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben und Hervorragendes leisten, bedanken.

Das Interview führte Martin Göb-Fuchsberger, Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik.

Eine Bewerbung lohnt sich! Stadtschulrätin Beatrix Zurek freut sich auf den nächsten Wettbewerb um den Münchner Schulpreis: „Ich lade die Schulen in München ein, sich zu bewerben. Stellen Sie sich der Herausforderung! Der Bewerbungsprozess ist eine bereichernde Erfahrung, von der die gesamte Schulfamilie profitiert.“

Bewerbungen können bis 28.09.2018 eingereicht werden. Details sind abrufbar unter www.ganztag-muenchen.de/index.php/schulpreis/4-muenchner-schulpreis


Fragen zum Münchner Schulpreis beantwortet Ihnen gern die Projektleitung Sabine Haering. Sie erreichen Frau Haering per Mail an sabine.haering@muenchen.de und telefonisch unter 089/233-83525.

Münchener Schulpreis Zurek Stadtschulrätin Beatrix Zurek stellt das neue Konzept des Schulpreises vor. (Foto: RBS / Tobias Hase)