Im BRENNPUNKT:

Jetzt als Team-Lehrkraft die bayerischen Schulen unterstützen!

Jetzt als Team-Lehrkraft die bayeri- schen Schulen unterstützen! „Abge- schlossenes Studium“; „Interesse an pädagogischem Arbeiten?“ „Über- nehmen Sie den Präsenzunterricht einer Stammlehrkraft! Auf diese Weise tragen Sie dazu bei, dass der Präsenzunterricht für unsere Schüle- rinnen und Schüler wie geplant stattfinden kann.“

Kein Witz! So wirbt das bayerische Kultusministerium auf seiner Web- seite für den Lehrberuf an Grund- und Mittelschulen!

Sie haben richtig gelesen! Es braucht kein abgeschlossenes Lehramtsstudium mehr, um sich künftig um unser wichtigstes gesellschaftliches Gut, nämlich unsere Kinder zu kümmern. Ist es vorstellbar, dass Abschlüsse in Agraringenieurswesen, Bioin- formatik oder Sinologie genauso zum Unterrichten befähigen wie ein abgeschlossenes Lehramtsstudium? (weiter lesen ...)


Brennpunkt „Deutsch Plus“: BAYERISCHES BÜNDNIS FÜR SPRACHBILDUNG

Momentan überlagert die Corona-Krise in der Wahrnehmung das auf Jahre hinaus größte Problem des bayerischen Bildungswesens, den eklatanten Lehrermangel an Grund-, Mittel- und Förderschulen. Die Verwaltung versucht derzeit händeringend mit kurzfristigen und meist auch kurzsichtigen Notmaßnahmen die größten Löcher zu stopfen. 

Dennoch ist absehbar, dass schon im kommenden Schuljahr 2020/2021 die Unterrichtsversorgung nicht ohne erhebliche weitere Kürzungen etwa bei Arbeitsgemeinschaften und beim Förderunterricht gewährleistet werden kann. Der Kampf um das knappe Gut „Lehrerstunden“ ist in vollem Gange. Im Bereich der Sprachförderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund wurden sogar schon zum letzten Schuljahr unter dem Strich massive Kürzungen vorgenommen.

Diese Entwicklung hat bereits jetzt deutliche Folgen für alle unsere Schülerinnen und Schüler und wird sich in den kommenden Jahren dramatisch zuspitzen. Das können wir nicht zulassen. Wir fordern die Bayerische Staatsregierung auf, sofort ein Paket geeigneter Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung der Sprachförderung an den bayerischen Regelschulen aufzusetzen und nachhaltig zu verankern.

1 Zur aktuellen Situation

1.1 Deutschförderung in Kindergarten und Grundschule

Die Anzahl der Kindergartenkinder in den „Vorkursen Deutsch 240“ wurde vielerorts schon weit über das von der Forschung als sinnvoll erkannte Maß hinaus erhöht. Dadurch haben sich die Startbedingungen zahlreicher Schulanfänger aus den Vorkursen deutlich verschlechtert.

Außerdem benötigt jeder Erstklässler mit unzureichenden Sprachkenntnissen besonders viel Zeit und Aufmerksamkeit, was eine Lehrkraft alleine in normaler Klassenstärke nicht leisten kann.

Ein Teil der Kinder lernt im „Sprachbad“ einer günstig zusammengesetzten Klasse zwar recht zügig ausreichend Deutsch, begleitende zusätzliche Förderung in „Deutschklassen“ bzw. „Deutsch-Plus-Kursen“ bleibt allerdings oft für die gesamte Grundschulzeit unverzichtbar. 
In Klassen mit einem hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund oder aus soziokulturell benachteiligten Familien hingegen haben die Kinder kaum gute Sprachvorbilder, das „Sprachbad“ ist unter diesen Bedingungen kein realistisches Konzept. Eine gezielte Sprachförderung bleibt unabdingbar.

Kinder, die zusätzlich Lernschwierigkeiten haben, verlieren sehr schnell den Anschluss, stören frustriert den Unterricht und entwickeln soziale Auffälligkeiten.

 

1.2 Deutschförderung in Grund- und Mittelschule

Für Kinder mit Migrationshintergrund mit keinen oder sehr geringen Deutschkenntnissen wie z. B. geflüchtete Kinder werden nach Möglichkeit sog. „Deutschklassen“ eingerichtet. Hier erlernen die Kinder und Jugendlichen großenteils jahrgangsübergreifend grundlegende Sprachkenntnisse, daneben sind häufig die Alphabetisierung oder der Erwerb der lateinischen Schrift zentrale Aufgaben. 

Diese „Deutschklassen“ lösten 2018 die bisherigen „Übergangsklassen“ ab. Seitdem gibt es zwar zusätzlichen Unterricht in den Bereichen „Kulturelle Bildung und Werteerziehung“, aber die Beschulung in den „Deutschklassen“ wurde auf ein Schuljahr anstelle von regulär zwei Schuljahren in den „Übergangsklassen“ gekürzt. 
Viele begabte Schülerinnen und Schüler hatten in den früheren „Übergangsklassen“ der Mittelschule genug Zeit sich zu integrieren, die deutsche Sprache zu erlernen und mit den Anforderungen des bayerischen Schulsystems vertraut zu werden. Sie konnten im Anschluss oft erfolgreich Schulabschlüsse erreichen und den Übergang in das Berufsleben selbstbewusst bewältigen.

Eine möglichst frühe Integration der Kinder in der Regelklasse garantiert zwar den Kontakt und die Möglichkeit des sprachlichen Austausches zu gleichaltrigen Kindern und deutschsprachiger Umgebung und ist daher erstrebenswert. Weiterer Schulerfolg kann aber nur dann erfolgen, wenn die Situation in der Regelklasse eine notwendige kontinuierliche Förderung der Kinder ermöglicht.  

Dadurch, dass insbesondere in den Mittelschulklassen ohnehin häufig der überwiegende Anteil der Schüler Deutsch als Zweitsprache hat, fehlen auch hier gute Sprachvorbilder, ein „Sprachbad“ im lernförderlichen Sinn ist dort selten gegeben. Leider sind die Personalressourcen für ergänzende Sprachförderung in den Regelklassen, die viele Kinder sogar unabhängig vom Migrations- und Fluchthintergund benötigen, viel zu gering. Bereits jetzt zeigt sich, dass viel weniger Schülerinnen und Schüler aus den „Deutschklassen“ einen erfolgreichen Abschluss schaffen. Beim momentanen Personalmangel fehlen die Voraussetzungen, um Kinder mit besonderem Förderbedarf angemessen im Regelunterricht zu fördern und differenzierte und individualisierte Unterrichtsformen anbieten zu können. Dieser Mangel führt zur Belastung von Kindern und Lehrkräften und lässt stets den Eindruck entstehen, dass eine Separierung von Kindern mit Förderbedarf die einzige Möglichkeit sei. Von kleineren Klassen bzw. zusätzlichen Lehrkräften würden alle Kinder profitieren.

2 Vorhandene Ansätze zur Verbesserung der Situation

Da die vom Bildungssystem bereitgestellten Lehrerstunden für Sprachförderung vielerorts schon lange nicht dem tatsächlichen Bedarf entsprechen, wurden über die Jahre verschiedene Unterstützungssysteme etabliert. 

So finanzieren die Regierungen Drittkräfte, die Akquise und Qualifikation dieser Personen muss allerdings von der Bildungseinrichtung vor Ort geleistet werden. Damit sind die meisten Schulen überfordert, weshalb nicht genug von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird. Vereinzelt gibt es lokal begrenzte BLLV-Projekte. So wir z. B. das vom MLLV initiierte Projekt mit dem Konzept der Projektleitung Prof. Elke Inckemann, LMU München, „Sprache. Schriftsprache. Bildungssprache!“ (SSB!) mittlerweile in großen Teilen vom Kultusministerium finanziert. Darüber hinaus haben zahlreiche Schulen, tatkräftig unterstützt vom BLLV, mit Stiftungen, freien Trägern und Akteuren bürgerschaftlichen Engagements individuelle Unterstützungsnetzwerke aufgebaut. 

All diese Initiativen sind wertvoll und hilfreich, reichen aber bei weitem nicht aus. Sie können langfristig kein Ersatz für eine flächendeckende, vom Kultusministerium verantwortete und organisierte Sprachförderung nach einheitlichen Qualitätsstandards sein, allenfalls Ergänzungen. 

3 Das fordern wir

Bildung ist ein fundamentales Menschenrecht und unser höchstes Gut. Optimale Sprachförderung ist die Grundlage für Bildung, Schulerfolg und einen guten Start ins Berufsleben. Angesichts des Fachkräftemangels sind unsere Wirtschaft und Gesellschaft mehr denn je darauf angewiesen, dass alle Bildungspotenziale optimal ausgeschöpft werden. 

Bereits jetzt sind die Ressourcen für Sprachförderung an Grund-, Mittel- und Förderschulen nicht ausreichend. Dies wird den Kindern und Jugendlichen mit Deutsch als Zweitsprache nicht gerecht und bindet einen hohen Anteil der Zeit und Aufmerksamkeit der Klassenlehrkräfte. Geeignete Förderung in heterogenen Klassen erfordert kleinere Klassenstärke, bzw. den Einsatz von Teamteachern bzw. zusätzlichen Kräften, die den differenzierten Unterricht in Kleingruppen ermöglichen. 

Wir können im Interesse aller unserer Kinder und Jugendlichen sowie der gesamten Gesellschaft keinesfalls weitere Kürzungen bei der Sprachförderung hinnehmen! 

Wir fordern

  • optimale Sprachförderung für alle Kinder und Jugendlichen in Vorkursen, Deutsch-Plus-Kursen und Deutschklassen durch ausreichende Lehrerstunden und geeignete digitale Medien
  • Verkleinerung der Klassen bei höherem Förderbedarf 
  • Ausbau der Stellen für Förderlehrkräfte
  • kurz- und mittelfristig eine zentral von Ministerium und Bezirksregierungen organisierte Akquise, Qualifizierung und Personalführung geeigneter und angemessen bezahlter Drittkräfte zur Überbrückung von Lehrerstundenengpässen bei der Sprachförderung und Unterricht in Kleingruppen  
  • langfristig eine nachhaltige, bedarfsgerechte Personalplanung in den Lehrämtern Grund-, Mittel- und Förderschule mit genügend Reserven für starke Kindergarten- und Schülerjahrgänge sowie
  • attraktive berufliche Rahmenbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher sowie Grund-, Mittel- und Förderschullehrkräfte, die für genügend Berufsanfänger sorgen

 

München, im Frühsommer 2020

Positionspapier | Brennpunkt „Deutsch Plus“: BAYERISCHES BÜNDNIS FÜR SPRACHBILDUNG


Der Gemeinsame Elternbeirat (GEB): Gemeinsam oder einsam in die Zukunft?

Zusammen mit dem neuen Vorsitz im GEB, ist auch eine andere Gangart und eine andere Tonart gegenüber den Kolleginnen und Kollegen an den Münchner Grundschulen eingezogen. Der GEB fordert strengere, hierarchischere Handlungsvorgaben gegenüber Schulen und den dort beschäftigten Schulleiterinnen und Schulleitern und allen Lehrkräften.

„Gemein“ bedeutete ursprünglich „zu einem Haufen gehörend.“ Dieser Haufen bestand unter dem alten Vorsitz des GEB noch aus allen Erziehungsberechtigten, vertreten durch den Gemeinsamen Elternbeirat (GEB), in guter Zusammenarbeit mit allen Lehrerinnen und Lehrern, vertreten durch den MLLV. Es gab regen Austausch in der Tradition die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt dieses Zusammenwirkens zu stellen, so wie er an vielen Münchner Grundschulen zwischen Schulleitungen, Kollegien und Elternbeiräten stattfindet. Dieser Austausch scheint dem neuen Vorsitz des GEB nicht mehr wichtig zu sein.  Deutlich wird das anhand einer Umfrage die der GEB im Zeitraum vom 03.04.2020 - 17.04.2020 durchgeführt hat. Zu diesem Zeitpunkt waren die Schulen erst seit drei Wochen geschlossen. Alle Beteiligten, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und Eltern, befanden sich in einer Phase der Orientierung, Selbstorganisation, des Lernens und der Anpassung an viele neue Gegebenheiten. Für das „Homeschooling“ stand nur ein digitaler Flickenteppich ohne adäquate schuleigene Hardware zur Verfügung, der durch das große Engagement, viel Kreativität und mit Hilfe privater Endgeräte der Lehrkräfte vor Ort zusammengehalten wurde. Ohne jegliche Würdigung dieser Ausgangslage, zielten die Fragen darauf ab, Unzulänglichkeiten in der Arbeit der Lehrkräfte zu finden.  Man hätte auch andere Fragen stellen können. Fragen die weniger reißerisch gewesen wären, sondern einen guten Stil von Zusammenarbeit und Unterstützung, Empathie für die Sachlage und Bedürfnisse der Lehrerinnen und Lehrer, wie auch der betroffenen Schülerinnen und Schüler hätten erkennen lassen. So aber hat diese Umfrage das gute Zusammenwirken, das an den meisten Münchener Grundschulen zwischen Elternbeiräten, Schulleitungen und Kollegien täglich stattfindet, in ein falsches Licht gestellt und dadurch ein sehr einseitiges Bild gezeichnet. Zusätzlich wurden die Ergebnisse der Umfrage, an der nur 18 % aller Grundschuleltern in München teilgenommen haben, mit Macht in die Presse gedrückt und an die vorgesetzten Dienstbehörden weitergegeben. Mit dieser „Hau drauf Mentalität“ schadet der GEB nicht nur allen engagierten Lehrerinnen und Lehrern, sondern untergräbt gleichzeitig deren gesellschaftliches Ansehen und zerstört vorhandene Vertrauensverhältnisse.

Durch diese Vorgehensweise gewinnt das Wort „gemein“ eine andere Bedeutung als eingangs erwähnt! „Gemein“ steht nicht mehr für „zu einem Haufen gehörend“, sondern für ein „moralisch fragwürdiges“ Verhalten. Dann nämlich, 

  • wenn man als Gemeinsamer Elternbeirat von Schulleiterinnen und Schulleitern, Lehrerinnen und Lehrern „Umsetzung von Maßgaben“, fordert,
  • wenn aufgefordert wird, dass Eltern „ein besonderes Augenmerk“, auf die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen legen sollen! 

Wenn dann noch „rechtlich abgeklärt“ wird und „Rechtsauskünfte“ eingeholt werden, so fragen sich die Kolleginnen und Kollegen vor Ort, wie auch der Münchner Lehrer und Lehrerinnenverband auf welcher Basis hier eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem GEB stattfinden soll? Es drängt sich eher der Verdacht auf, dass hier versucht wird, durch den neuen Vorsitz des GEB eine „Law und Order Mentalität“ gegenüber den Kolleginnen und Kollegen an den Münchner Grundschulen zu implementieren. Hier wird nicht unterstützt und zusammengeführt, sondern gespalten! Dabei wird der Mittelpunkt all unseres Handelns, nämlich unsere Schülerinnen und Schüler, stark vernachlässigt. Diese Umfrage galt nicht dem Miteinander, stattdessen hat sie ein Gegeneinander in den Vordergrund gerückt. Ein Perspektivwechsel, der nicht nur die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund gestellt hätte, wäre seitens aller Kolleginnen und Kollegen begrüßt worden. So wurde das „Lernen 4.0“, bestehend aus Notbetreuung (1.0), Präsenzunterricht (2.0), Homeschooling eigener Kinder (3.0, man staune: auch Lehrkräfte sind Eltern!) und Homeoffice (4.0), das viele Münchner Grundschullehrkräfte leisten, nicht einmal erwähnt!  Egoismus löst keine gemeinsamen Probleme! Egoismus macht einsam. Damit beantwortet sich auch die Eingangsfrage. So (unter diesem Vorsitz) geht der GEB einsam in die Zukunft!

Martin Schmid
Netzwerk & Kommunikation