Ratlosigkeit aufgrund der Selbsttests an Schulen? Der MLLV handelt!

Remonstration – was ist das eigentlich? Auch dem Staatlichen Schulamt in München war dieses Vorgehen weitgehend unbekannt. Trotzdem schlossen sich allein in München ca. 70 Schulen dieser Aufforderung des MLLV und BLLV an, gegen die Selbsttestung der Schülerinnen und Schüler an den Schulen Kritik zu äußern und die wenig durchdachte Umsetzung einer Testpflicht an Schulen abzulehnen. Eine Remonstration in diesem Ausmaß gab es in der jüngeren Schulpolitik noch nie. Gerade das zeigt, wie dringlich die Schulen sinnvolle und praktikable Teststrategien fordern und wie wenig die Vorgaben des Kultusministeriums den Schulalltag im Blick haben. Wenn etwas nie Dagewesenes nun in solcher Stärke in Anspruch genommen wird, macht es aber darüber hinaus deutlich, dass die Schulleitungen und Lehrkräfte einheitlich an den Schulen große Bedenken an der Umsetzung der Selbsttest an den Schulen haben.

Mit der ausgesprochenen Dienstanweisung durch das Schulamt wird die Warnung der Experten vor Ort übergangen und eine Testung an den Schulen wird ohne Dialog und Verbesserungsvorschläge umgesetzt. Eine Remonstration als einziges Recht des Widerspruchs der Schulfamilie ist dabei durchaus als Hilferuf zu werten. Vor allem wenn so viele Lehrkräfte diese geschlossen in Anspruch nehmen, sollte das selbst unser Kultusminister, der seiner Lehrerschaft gegenüber eine Fürsorgepflicht hat, ernstnehmen – tut er aber nicht.

Herr Staatsminister Piazolo verliert in keiner Pressekonferenz auch nur ein Wort darüber, kanzelt die Lehrerschaft lediglich mit den Worten ab: „Immer wenn eine neue Aufgabe kommt, sieht man das kritisch. Maskenpflicht wurde genauso abgelehnt. Jetzt kommt wieder eine neue Herausforderung, aber das schaffen die schon.“ Die großen Bedenken werden weiterhin übergangen, stattdessen werden nur realitätsfremde Vorgehensweisen absichtlich als sehr leicht und komplett unproblematisch umsetzbar dargestellt.

Die Lehrerinnen und Lehrer geraten dadurch in die Kritik der Öffentlichkeit. Wie bei keinem anderen Berufsstand weiß jeder anscheinend sehr genau, wie es in einer Schule abläuft oder abzulaufen hat. Die Schwierigkeiten vor Ort finden in der Gesellschaft kaum Gehör und so entsteht seit Jahren und in der Pandemie vermehrt, ein falsches Bild des Lehrerberufs in der Meinung der breiten Öffentlichkeit.  

Um zumindest unseren obersten Dienstherrn einen Einblick in den Schulalltag zu geben, haben wir ihm und auch der Staatssekretärin Anna Stolz wiederholt Einladungen ausgesprochen, sich das Ganze einmal an einer Mittelschule oder Grundschule anzuschauen, denn dann wird schnell klar, dass dieses Unterfangen nicht umsetzbar ist.

Stattdessen lesen wir immer wieder, die Lehrerinnen und Lehrer beschweren sich nur. Nein, ganz sicher nicht. Wenn unser Dienstherr seiner Pflicht nicht nachkommt, dann handelt der MLLV.

Handeln ist ein gutes Stichwort.

Am Montag, den 12.04.21 wurden unsere Schulen zu einem stationären „Laien-Selbsttestzentrum“.  Mehr als 160.000 Schülerinnen und Schüler und ca. 13.700 Lehrkräfte stecken sich also ab diesem Zeitpunkt verpflichtend fast täglich ein Stäbchen in die Nase. Im Klassenzimmer. Wir Lehrkräfte schauen dabei zu und dürfen nicht eingreifen oder unterstützen - auch wenn unsere Schülerinnen und Schüler dabei niesen, die Augen tränen oder manche Grundschülerinnen und Grundschüler vor Angst weinen und eigentlich getröstet werden müssten.Bayern spielt in unseren Augen hier mit der Gesundheit seiner Beamtinnen und Beamten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Statt uns konsequenter Weise mit Schutzmaterial auszustatten, müssen sich Lehrkräfte die Masken und Gummihandschuhe selbst kaufen. Lüften im Zimmer und OP-Maske reichen hier offensichtlich! Wir fragen: Ist das auch der Standard in „richtigen“ Testzentren?

Wir sind uns einig: Testen ist wichtig und richtig. Doch ein richtiger Plan, der auch sicher ist, sieht anders aus!

Die Frage muss an dieser Stelle erlaubt sein: Warum führen nicht einfach Profis Schnelltests an der Schule durch? Testzentren schießen seit einem Jahr aus dem Boden und sind nicht ausgelastet! Aus Datenschutzgründen? Ernsthaft? Datenschutz schlägt an dieser Stelle Gesundheitsschutz. Und mit der Gesundheit unserer Lehrkräfte wird russisches Roulette gespielt.

Wir handeln!

Gemeinsam mit einem (von vielen!) Münchner Schnelltestzentrum versuchen wir eine Pilotstudie an Münchner Schulen zu planen. Schülerinnen und Schüler sollen von geschultem Personal und unter ärztlicher Aufsicht mit Antigen-Schnelltests getestet werden – und diese dann mit der Gruppe derjenigen Schülerinnen und Schülern verglichen werden, die Selbsttests durchführen.

Dies ist ein langer steiniger Weg, der in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), mit dem Einverständnis der Regierung von Oberbayern sowie dem Staatlichen Schulamt gegangen werden muss. Wir hoffen auf Unterstützung und geben nicht auf.

Mit unserer Studie könnten wir zeigen, wie Infektionsketten an Schulen effektiv unterbunden werden können - und wie wir Schulschließungen verhindern.

Die verantwortlichen Ärzte schütteln beim Thema „Selbsttestung“ den Kopf. Sie schätzen das Infektionsrisiko im aktuellen Setting als erhöht ein. Außerdem warnen sie vor einer falschen Durchführung der Selbsttests. Das Risiko einer „falsch-negativen“ Testung ist groß.

Ein solch professionelles Setting schafft Vertrauen und Zustimmung. Wir vermuten, dass die Zustimmungsbereitschaft der Elternschaft im Vergleich zu Selbsttestungen in diesem Rahmen erhöht wird. Vielleicht erhöhen wir dadurch sogar die Quote im Präsenzunterricht?

Wir werden Sie über alles Aktuelle informieren!

 

Es grüßen Sie kollegial

Isabel Franz (2. Vorsitzende) und Florian Schmidt (Leiter ABW)